Alte Schätzchen II.

Liebes Frl. Ideal,

darf ich Sie an meinen letzten Brief erinnern und weiter erzählen?  Denn beim Aufräumen sind mir noch einige alte Schätzchen in die Hände gelangt, die nun definitiv nicht mehr getragen werden können. Dabei ist dieses nun ein richtiges Lieblingsstück, das sogar noch nach der Jahrtausendwende getragen wurde.

Teil 2:  1984-200x. Das gestrickte Seiden-Designstück.
Als Teenager war ich, wie gesagt, wohl etwas verrückt. Ausgefallene Sachen mochte ich am liebsten. Leider wurden sie meist mit sehr günstigen, und daher eher nicht so haltbaren Materialien umgesetzt. Vielleicht war das auch ganz gut so, Frl. Ideal, wer weiß, wieviel Klamotten ich ansonsten noch im Kleiderschrank hätte?

Wie dem auch sei, dieses Teil hier fand ich so ähnlich beim Friseur-Besuch in einem Hochglanzmagazin für internationale Mode und war verzaubert. Weil es vergleichsweise normal aussah und daher auch in der Schule getragen werden konnte, wurde Seidengarn in genau der für micht richtigen Farbe – Meerschaumgrün! – ausgesucht, nicht nach dem Preis. Woher das Geld dazu stammte, weiß ich nicht mehr.

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Der Verbrauch für dieses ärmellose Top hielt sich wohl in Grenzen. Während andere Kinder Teenager in den 80er Jahren Kleidergeld erhielten und sich ihre Kleidung völlig selbständig zusammen suchten, wurden bei mir  Sachen vorwiegend ersetzt, wenn sie defekt oder zu klein waren. Kleider „shoppen“ um des Markenkaufs willen kannte ich nicht. Bei aus heutiger Sicht überschaubarem Taschengeld (das mir völlig genügte) waren Dinge wie Stoff- und Wollkauf als Freizeitvergnügen daher seltener.

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Teuer waren auch die Seidensatinbänder, die den Pfiff des Vorderteils ausmachen.

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Meine Geduld wurde beim geradeaus-Stricken des Rückenteils mit 2,5er Nadeln sehr strapaziert. Nur die handschmeichelnde Seide, der Glanz des fertigen Stücks und die Aussicht auf vier schnell hergestellte Vorderteile hielten mich wahrscheinlich bei der Stange.

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Wie habe ich mich geärgert, dass die unterschiedliche Strickrichtung rasch zu einem Verziehen des Vorderteils führte! Die Bänder hielten es nur in etwa zusammen. Dass man durch die tiefen Armausschnitte und die gestrickten Durchzugslöcher prima „durchgucken“ konnte, ist mir erst später aufgefallen hat mich erst sehr viel später gestört.

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Es war ein wunderschöner Pulli, auch im heißesten Sommer zu tragen, sehr luftig, perfekte Farbe, und ich werde ihn vermissen. Zu den schon lange vorhandenen Tomatenflecken haben sich jetzt Altersflecken und Verfärbungen gesellt. Definitiv untragbar. Tschüß, Lieblingspulli!

Bis bald, Frl. Ideal, bis zum nächsten Schätzchen.
Ihre Tily.

PS: Eigentlich ein zeitloses Design. Vielleicht sollte ich es nocheinmal versuchen?

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