Kategorie-Archiv: MeMadeMittwoch

Me Made Mittwoch Nr.4

Heute in einem Rollkragenpullover mit A-Linien-Rock:

Der Schnitt zum Pulli ist mir sofort ins Auge gesprungen. Betonte Schultern, vorn mit Nähten modelllierter, schmaler Körper, müsste mir eigentlich stehen. Mit den langen Manschetten eine extravagante Pullover-Version. Und: Puffärmel!!! Hatte ich einmal an einem schwarzen gekauften Pullover mit Stehkragen und kleinen Schulterpolstern, und der MannimHaus mochte ihn am liebsten mit einem weißen Ballonrock und schwarzen Strumpfhosen… ich gebe zu, dass ist sehr, sehr lang her… Trotzdem, warum nicht noch einmal versuchen? Unter einem Blazer verschwinden diese Details, und schon sieht der Pulli normal aus. Oberteile fehlen mir ohnehin, also rutschte der Schnitt ganz oben auf meine Nähliste.

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Natürlich waren alle vorhandenen Stoffe dafür entweder viel zu dünn und flutschig, oder zu fest und dick, oder mit zuviel Muster versehen. Es dauerte daher etwas, bis ich in einem Offline-Geschäft einen wunderbaren, griffigen blauen Jersey fand. Dafür konnte ich auf den Reißverschluss im Nacken  verzichten – bei langen Haaren ohnehin ein nicht-sichtbares und hinderliches Element.

Ganz in blau war es mir dann doch zu langweilig. Passend zum Rock drehte ich die Mannschetten mit der Naht nach oben und versah sie mit einer Paspel. Natürlich mit selbstgedrehter Kordel. Eine meiner Kindheitserinnerungen ist die an meine Mutti, die im Esszimmer an der Türklinke eine dicke bunte Kordel für meine Nachtlampe dreht. Die Lampe hing bis dahin unerreichbar oben an der Wand, aber mit der Kordel wurde ich zur Herrin über das Licht im Kinderschlafzimmer.

LICHT – das gab es zum Fotografieren heute nicht, also nur schlechte Fotos. Eben handmade ;-)

Blauer Rolli2 Blauer Rolli1

Schnitt: Burda 12/2014, Modell 114 in der Langversion
Nochmal? Ja
Das würde ich ändern: Rollkragen und Mannschetten kürzen, Mannschetten noch enger. Bei Elastan-Anteil auch mit Rückenteil im Stoffbruch. Mit Rückenabnähern könnte das Modell sogar verlängert und Kleidertauglich sein. (Nach nochmaligen Betrachten: Schnitt verkleinern!)
Stoff: Offline erworben, Neuss Meererhof. Qualität merken für weitere Modelle.

Und jetzt schaue ich nach den anderen Damen beim Me Made Mittwoch.

Me Made Mittwoch Nr. 3

Heute ist schon wieder Mittwochs, und die Me-Made-Mittwochs-Macherinnen zeigen ihre Outfits. Heute mit vielen kreativen Leipziger Nähfreundinnen.

Ich trage meinen liebsten roten Roch im Büro-Outfit, mit schwarzem Kauf-Blazer und schwarzem Pulli.

RoterRock2014-3 RoterRock2014-1  RoterRock2014-2

Besonders gut gefallen mir die Knöpfe, und stolz bin ich auf die Knopflöcher. Frl. Ideal hat keinen Knopflochfuß, dafür eine Anleitung, wie man Knopflöcher händisch näht.

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Man stellt einen schmalen Zickzackstich mit dem roten Hebel ein, stellt die Stichlänge bei dem schwarzen Pfeil auf gering, positioniert die Nadel mit dem grünen Hebel erst links, dann den ersten Seitenriegel nähen, dann mit breiten Zickzackstich und Nadelposition mittig den Endriegel nähen, dann Nadelposition rechts und schmaler Zickzackstich und mit gedrücktem schwarzen Pfeilknopf rückwärts nähen, dann wieder breit verriegeln. Ganz einfach, nicht wahr?

Das geht bei einem Knopf noch ganz gut, und bei mehreren steigt die Übung – oder das Fehlerpotential, so komme ich ins Schwitzen. Breitere Knopflöcher sind ein Problem, dann muss der Stoff verschoben werden. Bei meiner Suche nach einer neuen Maschine sind daher Knopflöcher ein wichtiger Faktor.

Leider springt die Knopfleiste beim Sitzen gern auf, und das Leinen hält diese Form schnell. Ich habe die Knöpfe schon recht eng gesetzt, das ändert leider nicht viel. So sieht es schon nach dem Frühstück aus, schlimmer wird es zum Glück nicht: RoterRock2014-4

Der Rock ist mit grauer Seide gefüttert (ich mag den Kontrast), und aus mittelschwerem Leinen. Er knittert schnell, aber nicht mehr als auf den Fotos. Einen Tag am Schreibtisch hält  er mit so mir durch. Ist ein wenig knallig im schwarz-grau-blauen Einerlei des Büroalltags, manchmal mag ich das. Zusammen mit dem mädchenhaften A-Linien-Stil wirkt das Rot nicht so aggressiv.

Schnitt: Burda (aufgenähte Taschen weggelassen, sondt ohne Anpassungen; die Taille ist recht hoch und hätte noch enger werden dürfen. So passt der Rock auch Weihnachten.)
Nochmal? Vielleicht. Mit einem Reißverschluss an der Seite und Zierknopflöchern.
Stoff: Bio-Leinen vom Fadenlauf, offline.

MeMadeMittwoch Nr. 2

Liebes Frl. Ideal,

Sie wissen es nicht, aber im letzten Jahr rief Frau Crafteln den HosenHerbst aus. „Hosen“, schnauben Sie jetzt, „die moderne Frau trägt doch Kleider!“ – aber tatsächlich trägt Ihre Tily sowohl als auch. Die moderne Frau hat heute die Wahl! Deshalb führe ich heute eine letztes  vorletztes Jahr genähte Winterhose aus.

Den Schnitt kannten Sie noch, Frl. Ideal: 1994, im Dezember, in einer „ich-muss-mich-ablenken“-Aktion rädelte ich den Schnitt erstmals aus der Burda. Ob mir den wunderbaren sandfarbenen Schurwollstoff (TEUER!!) damals meine liebe Mutti kaufte oder ich selbst in einem Anfall von Liebeskummer, das weiß ich nicht mehr – und Sie, Frl. Ideal, werden es mir leider nicht verraten. Jedenfalls passte die Hose sofort, es gab Komplimente dafür und sie wurde endlos getragen.  … Mit diesen guten Erinnerungen also noch einmal, warum einen neuen Schnitt suchen! 20 Jahre und ein Sportende später passt mir Burda-Größe 34/36 natürlich nicht mehr. Glücklicherweise werden nicht nur ausgerädelte Schnittmuster, sondern auch die Hefte im Haus von Frl.Ideal  aufbewahrt. Also auf ein Neues:

Skeptisch schauten Sie auf mich herunter, Frl. Ideal, als ich – siegessicher, ein schnelles Projekt nach der Tagesschau an einem Abend umzusetzen – Größe 42 ausschnitt. Sie hatten wie so oft recht. Die Hose rutschte bei der  Anprobe gleich wieder zu Boden. Also enger und enger gesteckt … Glücklicherweise mochten Sie den festen Twill sehr gerne, Frl. Ideal, und machten mir keinerlei Schwierigkeiten. Immerhin noch vor Mitternacht waren sowohl die Hose als auch ich fertig.

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Die Falten auf dem Foto rechts sind nicht da, wenn ich mich richtig hinstelle. Die Beine sind vielleicht immer noch ein wenig weit, und mit dem hohen Taillenbund sieht die Hose insgesamt recht retro aus. Das könnte auch an den vier Abnähern hinten liegen. Mir gefällt es so. Die Hose ist sehr bequem.  Hinsetzen geht auch:

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Der feste Twill gibt den Hosenbeinen bis zum Saum viel Form. Sie sind extra lang, damit sie zu hohen Schuhen passen. Die Schuhe sind übrigens sehr bequem.

Es war schön, die Hose mit Ihnen zu nähen, Frl. Ideal. Auch der Blindstich-Saum mit Ihrer Blindsaum-Sticheinstellung ging überraschend schnell von der Hand. Demnächst machen wir das noch einmal!

Mit herzlichem Dank und steppenden Grüßen verbleibe ich
Ihre Tily.

Schnitt: Burda 12/1994 Mod. 114
Nochmal: Ja! Der Schnitt ist schnell umgesetzt (wenn man gleich die richtige Größe nimmt ;-)
Stoff: Im Original lautete die Stoffempfehlung „Leichter Jersey oder feine Strickstoffe, die nicht allzu dehnbar sein sollen. Aber auch leichte Gabardine oder Flanell“
Hier verwendet ein Baumwoll-Twill, sehr fest mit viel Stand, und einem klitzekleinen Querstreifenmuster in Sand-/Braun. Vom Stofflager, online erworben, Herkunft vergessen, mit Sicherheit recht günstig. Mehr davon wartet auf weitere Verarbeitung. Vielleicht mache ich irgendwann einen passenden Blazer.

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(Quelle: selbst gescannt)

Was die anderen Mittwochs-Macherinnen zeigen, hier entlang: