Kategorie-Archiv: Versuch-Kluch! Probeteile

Große Nähpläne #2

Liebes Frl. Ideal,

große Nähpläne führen zu großen Erkenntnisgewinnen.

Zum Beispiel im Hinblick auf die „richtige“ Ausgangsschnitt-größe bei diesem Vogue-Schnitt. Ursprünglich von der Körßermaßtabelle ausgehend nahm ich den Schnitt ab. Und erst das schon seit 15 Monaten eingespielte virtuelle Nähkränzchen machte mich auf die Angaben zu den Maßen des Fertigteils aufmerksam… zum Glück vor Ausschneiden des Probestücks. Also verkleinerte ich deutlich und ging für das Probestück – wie auch bei Burda – von meiner aktuellen „Kaufgröße“ aus und fügte ab Armloch plus 2 Größen nach unten auslaufend zu.

Interessant bei dem Schnitt ist, dass bei den Größen 14 – 20 nahezu alle Größenlinien „innerhalb“ der jeweils nächstgrößeren liegen, bis auf eine klitzekleine Ecke in der Schulter des Futterteils Side Front.

Auf dem Bild sehen Sie die ausgelegten Schnitteile auf dem Probestoff, ein schwerer Poly-Satin, ein recht ordentlicher Rest aus Tanz-Zeiten. Meist liegt der Stoff so über Nacht eine unbestimmte Zeit, dann wird nochmal Luft geholt und zugeschnitten.

Inzwischen ist die Probejacke fertig. Erstmals – und hier bitte ich mindestens um ein anerkennendes Anheben Ihres Nähfüßchens, liebes Frl. Ideal – habe ich nicht nur ein Musterstück genäht, sondern auch nach dem nicht gut sitzendem linken Ärmel den rechten korrigiert eingesetzt !, und alles vollständig gebügelt !!, und nach ausführlicher telefonischer Besprechung mit Mema die Jacke nochmals auseinander genommen und vollständig neu angepasst !!!

Lustigerweise hatte ich nämlich die Seitenteile vergessen zuzuschneiden, wenn Sie genau auf das Bild schauen, fällt Ihnen vermutlich gleich die leere Stelle in der oberen Mitte auf -… . Das kennt man ja nicht als Schutzmann-einfach-Burda-Näherin, dass es neben den „Front“ und „Side Front“-Teilen auch noch Seitenteile gibt ;-) Diese schlagen zwar nur mit 4cm fertige Breite bei allen Größen zu, und stattdessen hatte ich irrtümlich das Rückenteil im Bruch geschnitten und die 3cm Nahtzugabe großzügig zugegeben. Aber mit den schmalen Seitenteilen passen die Ärmel natürlich viel besser, das Einhalten war vorher ganz schön herausfordernd. Nun ist das Armloch ausreichend groß. Und bei genauer Betrachtung des so fertigen Stücks steht fest, dass die Jacke selbst in der bereits korrigierten Größe zu groß geworden wäre.

Jetzt geht es also richtig los. Der feine Stoff liegt bereits fadengerade aus, die Schnittteile sind probehalber aufgelegt. Hier werde ich vermutlich wegen des Stoffmusters nicht dem von Vogue vorgeschlagenen stoffsparenden Zuschneideplan folgen. Die Schulterpunkte werde ich ggf. trotzdem noch etwas nach innen legen, bis zu Beginn der Taillenabnäher in der kleinsten Größe die Linien markieren und nach unten eine, je nach Tagesform auch zwei Größen auslaufen lassen. Ich muss mich auch ranhalten, wie man so schön sagt, denn Mema hat ihre Nähpläne bereits veröffentlicht, und sie kann ganz schön fix sein im Umsetzen. Da will ich nicht hinterherlaufennähen!

Bitte bleiben Sie gesund, liebes Frl. Ideal, und ich hoffe sehr, dass Ihnen der ausgesuchte Bouclé genehm sein wird. Denn die Dicke Bertha steht in der Arbeitswohnung, die aus Home-Office-Gründen vermutlich erst in der Osterwoche wieder aufgesucht werden wird.

Steppende Grüße,

Ihre Tily.

Verbindung unterbrochen. Kontakt wieder aufnehmen?

Liebes Frl. Ideal,

lange nicht gesehen. Diesmal frage ich Sie, wie es Ihnen geht? Sind Sie sehr einsam unter ihrer Staubhaube? Wochenends schaue ich ja ab und an bei Ihnen vorbei, aber zum gemeinsamen Nähen kommen wir nicht. Das bleibt der neuen Dicken Bertha vorbehalten, und natürlich Miss E.

Die beiden sind dafür regelmäßig im Einsatz, auch dank des nunmehr schon über ein Jahr sehr regelmäßig eingerichteten virtuellen Nähkränzchens. Das war eine von zwei nachhaltige* Ideen während des Hamburger Bloggertreffens in 2017, die mir seitdem das Leben verschönern. In ungeraden Kalenderwochen treffen sich einige Nähfreundinnen, jeweils in der eigenen Nähstube, online verbunden per Video, und nähen genau 2 Stunden. Für mich fast besser als jedes persönliche Treffen: „Was-nehme-ich-mit, Bloß-nichts-vergessen, 3-Etagen-hinunter-schleppen, 3-Etagen-hinauf-schleppen“ entfällt, und trotzdem nähen wir in geselliger Runde, sehen und sprechen uns, zeigen neue Bücher, Stoffe, Equipment, … und das über echte Ländergrenzen hinweg. Einfach großartig! und immer produktiv für mich.

Die zweite Idee des Hamburger Bloggertreffens war eher eine nachhaltige* Lektion im Foto-Shooting von Frau Küstensocke. Einige Bloggerinnen zeigen seitdem noch lebendigere Fotos. Erster Merksatz: „Du willst das Foto, Du planst das Foto“: check: – bin extra in den Urlaub geflogen….:

… allerdings bedeutet Planung noch lange nicht Umsetzung, denn natürlich hat zuerst Niemand darauf geachtet, dass es hinten hochgerutscht ist.

Das gelbe Ungetüm war ein Experiment auf Basis eines der Hoodie-Modelle der November/Dezember-Ausgabe der Rundschau, unten verlängert auf maximale Ausnutzung des vorhandenen Sommer-Sweatstoffes. Ich mag die Kapuzengröße. Die Rundschau bot mehrere Modelle und mehrere Kapuzenarten an.

Gerade stehen war nach einem Tag im Meer offensichtlich schwierig, und auch hier wieder: Keiner korrigiert Haltung und Sitz der Kleidung… wir üben noch. Immerhin stimmt die Position der Kamera … allerdings fand der MannimHaus dieses Ensemble zwar nützlich, aber nicht zum Niederknien, also stieg ich auf ein Mäuerchen.

Die Jacke würde übrigens schnittmustergerecht etwa 10cm unterhalb der Quernaht enden und hätte ein Bündchen aus Sweat. Schnittmuster im Schulter- und Ärmelbereich 1 Nummer, darunter nach Hüftweite die größere Größe. Es wäre auch noch genug Platz für wärmere Unterkleidung.

Besonders gefällt mir der gelungene Verschluss am Hals. Hier bin ich von M+S abgewichen und habe eine Kauf-Sweatjacke als Vorstück genommen. So ist es wärmer am Hals, das Originalschnittmuster endet unterhalt des Kragens.

Und noch ein Bild von vorn. Die Taschen sind mit einem alten Leintuchrest gedoppelt. Erstens nicht so dick, und zweitens war nicht mehr genug Originalstoff da.

Natürlich war das Stück ein Last-Minute-Projekt, und natürlich mit einem Denkfehler nachts: Warum war der Beleg vorne unten nochmal so viel länger gelassen? Egal, wird abgeschnitten – und fehlt beim letzten Schritt, dem Annähen des Bündchens. Egal, nicht mehr zu ändern… nach dem Einsatz im wirklich kalten Urlaub künftig ohnehin nur für Haus und Garten gedacht.

Liebes Frl. Ideal, bis zum nächsten Brief alles Gute – dann zeige ich vielleicht eines meiner Projekte aus dem letzten Jahr. Jetzt schaue ich bei den Me-Made-Mittwoch-Bloggerinnen vorbei.

Steppende Grüße,

Ihre Tily.