WKSA 2015. Weihnachtskleid-Sewalong Teil 4

Liebes Frl. Ideal,

in der Adventszeit fliegen die Minuten noch schneller als sonst vorbei. Irgendwo las ich neulich, dass „Zeit-vergeht-schneller“-Phänomen hänge mit der im Alter steigenden Zeiterfahrung im Verhältnis zum einzelnen Tag/Woche/Monat zusammen. So gesehen, altere ich im Advent jedes Jahr schlagmals um weitere 40 Jahre. Wie geht es Ihnen damit?

Im Handumdrehen verging auch die letzte Woche seit WKSA Teil 3. Das Paillettenshirt ist fertig. MannimHaus moniert zwar die fehlende Körperbetontheit, und an MissFitting sieht es tatsächlich nach nichts aus. Mir gefällt es aber, es soll ja zum Tanzen sein.

Außerplanmäßig habe ich zusätzlich einen kurzen Rock aus dem wunderschönen Rest-Rückenteil-Stoff fabriziert. Der bestellte Stoff von Fashion for Designers war die Überraschung des Kölner Bloggerinnentreffens für mich: erst das zugesendete große Stoffstück zeigte mir den hervorragenden Fall und Griffigkeit des crepe-artigen Stoffs. Den merke ich mir für einfarbige Kleider mit raffiniertem Schnitt – er ist zu allem auch noch sehr gut zu nähen. Es gibt ihn in einer großen Farbauswahl.

Also bin ich theoretisch fertig mit einem Outfit – wenn auch nicht in der ursprünglich geplanen Kombination. Diese Woche ist pickepackevoll mit Aufgaben. Mal sehen, was an Zeit für weitere Näharbeiten übrig bleibt. Das Weihnachtsmenü ist jedenfalls schon geplant.

Steppende Grüße,
Ihre Tily.

PS: Die Me-Made-Mittwoch-Organisatorinnen haben zu einer Nähnerd-bezogenen Weihnachtsspende aufgerufen. Wie letztes Jahr ein schönes Projekt, was unterstützt wird. Und die übrigen WKSA-Teilnehmerinnen haben teilweise schon mehrere perfekte Kleider fertiggestellt. Wie machen die das?

WKSA 2015. Weihnachtskleid Teil 3

Liebes Frl. Ideal,

was für ein Glück, dass uns die lieben Organisatorinnen des Weihnachtskleid-Sewalongs diesmal 2 Wochen Zeit gelassen haben, bevor weitere Fortschritte gezeigt werden müssen. Also:

– Das Probemodell ist genäht und passt. Jetzt geht es weiter.
Gilt wenigstens für das Party-Outfit, bestehend aus Shirt und Hose. Alles recht weit und bequem – Silvester ist schließlich nach Weihnachten 😉

Das originale Silvestershirt ist auch schon zugeschnitten. Die dann doch winzigkleinen Pailletten verteilten sich stückweise auf meinem Teppichboden, und vor dem Zusammennähen musste ich einen Moment innehalten –
Wie wird sich ein Stückchen Paillette in meiner Nähmaschine verhalten? Es ist noch nicht ganz raus, ob ich doch lieber den Paillettenstoff von Hand aufnähe. Denn: Ohne Wirkstoff-Unterlage im Vorderteil ist es doch ungemütlich durchsichtig. So viel Aufmerksamkeit möchten wir nicht, oder, Frl. Ideal?

– Nichts passt. Der Schnitt nicht zu mir, der Stoff nicht zum Schnitt. Hilfe!!!
Das trifft halbwegs zu. Den Easy-Schnitt für das blaue Kleid habe ich zunächst zu groß ausgewählt – leider kam der Hinweis von …, er falle eher geräumig aus, zu spät. Mit angepassten Seitenteilen passte die Folie perfekt auf unsere MissFitting, Frl. Ideal, aber man soll den Tag nicht vor dem Abend, oder besser vor Ärmeleinsetzarbeiten loben…
Das ärmellose Probeoberteil aus Scuba sitzt recht gut, nur mit Ärmel – lauter Falten!
Beim Nähtreffen erhielt ich schon einige wichtige Empfehlungen (im Rücken Weite herausnehmen, Abnäher im Armausschnitt). Als nächstes pause ich noch einmal 2 Nummern kleiner ab und setze die Folie an MissFitting zusammen. Vermutlich war ich mal wieder im Größenwahn 😉

– Ach, alles nicht so schlimm. Weihnachten hat 3 Tage, ich nähe jetzt das 2. Kleid.

Wie man´s nimmt. Die Silvesterhose ist noch nicht angefangen, das Kleid … Mal sehen, was so der Durchschnitt der vielzähligen anderen WKSA-Teilnehmerinnen bisher produziert hat.  Bitte drücken Sie mir die Daumen, dass alles fertig wird!

Steppende Grüße,
Ihre Tily.

Das Neue.

Liebes Frl. Ideal,

es ist etwas mehr als ein Jahr her, dass ich Ihnen von meinen Gedanken zu einer neuen Nähmaschine berichtete. Das war eine schwere Entscheidung!

Bitte seien Sie jetzt nicht beleidigt: Ich liebe es, wenn Ihre Metallkapsel beim Steppen fröhlich  im Untergrund für uns klappert. Wenn mich wenige Sekunden nach dem Einschalten Geruch nach Maschinenöl und Stoff begrüßt. Wenn ich Ihr Deckelchen aufklappe, um eine andere Schablone für einen Blind- oder Zierstich einlege. Ihr unaufdringliches und zweckmäßiges Äußeres, Ihre Zuverlässsigkeit – und natürlich haben wir uns in den vergangenen 22 Jahren sehr aneinander gewöhnt.

Trotzdem, liebes Frl. Ideal, war es mal an der Zeit für etwas Neues. Denn seien wir mal ehrlich: Stoffe mit viel Elasthan, grobe Strickstoffe oder leichte Chiffonseide verarbeiten Sie nur mit Hilfsmitteln und sehr, sehr viel Zuwendung. Und sehr gerne helfen Sie mir dabei, meine Nähfertigkeiten zu verbessern, indem alle Feinheiten wie knappkantige Nähte oder Knopflöcher ohne weitere Hilfsmittel herzustellen sind.

Erst über die Welt der NähbloggerInnen lernte ich moderne Maschinen kennen.  Mir war sofort klar: falls Sie jemals eine neue Nähmaschine neben sich sehen sollten, müsste „Das Neue“ sowohl Ihre Vorzüge als auch den neuesten Stand der Technik in sich vereinen. Weil ich Computernähmaschinen zunächst skeptisch gegenüberstand, ergänzt Miss E. als kombinierte Cover-Overlock unsere Näharbeiten.

Wirklich eine neue Nähmaschine zu kaufen, war lange Zeit nur ein Hirngespinst, das in meinem Kopf herumgeisterte. Bis der MannimHaus mit mir in Wuppertal in eine Impressionisten-Ausstellung gehen wollte, wir in Anbetracht der einmal durch die Innenstand stehenden Menschenmenge davon Abstand nahmen und aus lauter Jux und Dollerei – was macht man auch sonst in Wuppertal? 😉 – uns in einem winzigen Nähmaschinenladen das Bernina-Topmodell des Geschäfts vorführen ließen. Was die alles konnte!

Dann begann die Marktanalyse. Was sagen die anderen? Stundenlang kann man die Nähmaschinentests von Zeitschriften der letzten Jahre im Internet nachlesen, manchmal auch kaufen. Viele einzelne Bloggerinnen haben sich die Mühe gemacht, die Erfahrungen mit ihrer Nähmaschine ins Netz zu stellen. Auch die Hobbyschneiderinnen haben eine ultimative Anleitung zum Neukauf. Ich fragte am Bloggerstammtisch. Von jeder nahm ich eine andere Anregung mit.

Schließlich erstellte ich eine Checkliste „Nähmaschine aussuchen“ mit Prioritäten und Bewertungssumme: je niedriger die Bewertungssumme, desto größer die Kaufbarkeit.
Entschied, bei dieser Lebensanschaffung nicht zu sehr aufs Geld zu gucken.
Reduzierte die Liste auf vier Maschinen unterschiedlicher Hersteller, die ich in meiner relativen Nähe offline erwerben konnte: Elna, Janome, Pfaff und Brother.
Sah mir alle Maschinen alleine an. Schloss zwei Hersteller aus, weil mir den Bedienmenüs nicht zusagten.
Fuhr mit dem MannimHaus zu einem Händler, der die letzten zwei der  Favoriten vorrätig hatte. Die etwas günstigere zweite Wahl hätte ich vielleicht auch gekauft, der MannimHaus wies mich aber sofort auf Lautstärke hin… Und so fuhren wir mit einer sehr schönen Maschine nach Hause.

Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Nur ein Thema ist noch offen, liebes Frl. Ideal: wie nennen wir das Neue?

Steppende Grüße,
Ihre Tily.

PS: Die Testberichte der Aktion „Supertester“ eines Verkäufers, bei der 20 (!) BloggerInnen über ein Jahr hinweg jeweils für einen Monat eine andere Maschine testen durften, kam für meine Entscheidung zu spät.