Locken. Und Federn.

Be curly, sagt ein Haarpflegemittel, und auch mein gehätscheltes, alternde Fräulein Ideal, sobald sie Jersey unter ihren Füßchen verspürt.

Das Ergebnis ist immer gekräuselt, egal wie gut ich ihr zuspreche und mit Fadenspannung, Füßchendruck oder Stichlänge variiere. Mit einer der Stichschablonen wird es etwas besser – der Stich sieht ähnlich aus wie moderne „Elastikstiche“. Versäubern mit Zickzackstich ist dann wieder der blanke Horror und reine Materialverschwendung: Nur auf dem Stoff mit wenigstens anderthalb Zentimetern rechts vom Füßchen sowie Butterbrotpapier (nutzt das außer mir noch jemand, ich meine, für seinen ursprünglichen Zweck?) über und unter dem Stoff geht es.

Über Eure Blogs lernte ich Overlock-Maschinen kennen. Was wäre das Leben nur ohne Internet, man hätte gar keine neuen Ideen und Wünsche mehr 😉 Erst einmal ausprobieren, stand also auf meiner Wunschliste. Und wurde prompt erfüllt durch einen kurzen Samstagskurs mit Stoffgeschenk!

Die Zeit reichte für ein T-Shirt und einen sehr simplen Gummizug-Rock. Letzterer, weil ich mich nicht entscheiden konnte, den schönen Stoff noch weiter zu zerschneiden. Er trägt sich wunderbar, mit einem einfarbigen Shirt kombiniert und mit entsprechenden Schuhen und Accessoires schämt sich meine Begleitung meist nicht, mit mir gesehen zu werden. Beides zusammen ist allerdings ein bisschen bunt und definitiv sehr auffällig.

Gute Fotos machen steht noch auf meiner ToDo-Liste. Hier ein Bild vom Einsatz des T-Shirts im Urlaub:
Federn1

Hier der Rock:

Federn2

Material: feiner Jersey vom Stoffzentrum Kühler / Turmstoffe, nicht mehr im Angebot

Darf ich vorstellen: Fräulein Ideal.

Fräulein Ideal macht Besuche mit ihrem eigenen Köfferchen.

Fräuleins Koffer1

Ihren ersten Besuch machte Fräulein Ideal bei mir in den späten Achtzigern des vorigen Jahrhunderts. Da war das Fräulein gerade volljährig geworden. Tante Betty vererbte sie mir.
Als Dauergast begleitete sie mich seitdem schon auf einigen Reisen – und Umzügen. Dabei packt Fräulein Ideal ihre Sachen immer ordentlich ein (im Gegensatz zu mir):

Fräuleins Koffer2

Für ihre „Extensions“ hat sie sogar eine Sicherungsvorrichtung. Das Lederband im Deckel ist allerdings schon etwas altersschwach. Sicherheit wird sowieso groß geschrieben bei Fräulein Ideal: Ihr Köfferchen ist abschließbar, die zwei Schlüsselchen hängen praktischerweise gleich am Koffergriff.

Für GastgeberInnen, die sie nicht so gut kennen, bringt sie freundlicherweise ein Manual mit – dabei geht das Fräulein allerdings davon aus, dass der/die Leserin die Grundsätze des Nähens beherrscht…

 

ManualManual1

Umfangreiches Bonusmaterial gibt es auch, für den ein oder anderen Zierstich:

FräuleinsZubehör

SONY DSC

Und hier der aktuelle Aufenthaltsort von Frl. Ideal:

SONY DSC

 

Warum knappkantig unterwegs?

Knapp auf Kante nähen … Laut Duden gleichbedeutend mit (sehr) knapp kalkulieren. Oder in kölscher optimistischer Manier: „Et hätt noch emmer joot jejange“. Mit der „Augen zu und durch“-Methode scheitert man leider oft beim knappkantigen Absteppen. Unaufmerksamkeit und Ungeduld bestraft die Nadel -,  „knapp vorbei“ ist in dem Fall nicht akkurat knappkantig. Nach untauglichen Versuchen in grauer Vorzeit ignorierte ich daher bisher fröhlich entsprechende Nähanleitungen.

An anderer Stelle nutze ich „Knapp auf Kante“ gern: Wenn das Ergebnis nur „Ziel erreicht“ oder „Ziel nicht erreicht“ heißen kann, warum dann unnötig Energie verschwenden? Möglichst aus mehreren Blickwinkeln informiert, mit gescheitem Praxiswissen und gesundem Bauchgefühl braucht man keine übermäßigen Reserven, sondern kann kalkulierte Risiken eingehen und gegebenenfalls auch schnell entscheiden.

Zum Beispiel, das Knappkantige Absteppen in Einzelfällen doch anzuwenden 😉 Den Sinn des knappkantigen Absteppens habe ich durch eine Folge der ersten „The Great British Sewing Bee“-Staffel verstanden. Hoffentlich kriechen daher künftig auch bei mir keine Belege mehr aus dem Ausschnitt. Auf meiner Wunschliste steht nun noch ein Kantenfüßchen, um die notwendige Arbeit zu erleichtern.